Die Casanova Tour.

Zum Thema "Privatwagen im 18. Jahrhundert" hier ein historischer Rückblick auf das 20. Jahrhundert:

Eine persönliche Geschichte

der Motorisierung in Deutschland.

Von

          Hartmut     Pablo Günther

Fotos aus dem www sind mit (w) gekennzeichnet.

Viele wissen heute nicht mehr, wie spät die Autos hierzulande Einzug hielten, und das dort, wo sie erfunden wurden! Das lag natürlich an den kriegsbedingten vier Jahrzehnten des Mangels. - Bis etwa 1960 konnte man noch überall vereinzelt Pferdefuhrwerke sehen:

                 

 - wie hier in Heidelberg im Februar 1959 (aus einem Normal-8-Film von mir, gedreht aus dem DKW 3=6 der Eltern meines Freundes Ekkes Frank).

Aber erst mal zu den Anfängen: Bis zum Beginn der zwanziger Jahre sah man in Deutschland (im Gegensatz zu Frankreich, England, Italien, USA etc.) das Automobil nicht als geeignet für jedermann an, da ja die Eisenbahn und die Post für eine perfekte Mobilität sorgten, sondern baute praktisch - wie seit etwa 1990 wieder - nur große Limousinen, für deren komplizierte Bedienung man damals allerdings einen Chauffeur brauchte. - Nachdem dieser den Wagen gewartet und aus der Garage geschoben hatte, konnte er bei seinem Herrn vorfahren:

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Die meisten Autos waren offenbar Taxis. - In den Straßen parkte kaum ein Auto:

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(Diese 4 Bilder habe ich vom Video "Berlin, Sinfonie der Großstadt", 1927, abgeknipst.)

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1908    Mein Großvater, Elektroingenieur Carl Günther, Neustadt/Weinstraße, ließ sich schon damals in einem Automobil dienstlich herumfahren. Hier ein Foto aus dieser Zeit des ersten Autos (hier ohne Pneus [luftgefüllte Gummireifen]) des Großvaters meines Vetters Peter Günther,
Dr. Alfred Ferger, Neckargemünd:



Sohn Hans durfte manchmal mitfahren und erzählte uns später, im Gedächtnis seien ihm vor allem die staubigen Straßen geblieben.

1924     Derselbe, mein Vater, Hans Günther, Schwetzingen, bekam zum Abitur ein Motorrad:

Mein anderer Großvater, genannt Opa, Dr.med. Karl Zipp, praktischer Arzt in Weilmünster/Taunus, motorisierte sich zunächst ebenfalls mit einem ganz ähnlichem Motorrad:

sodann mit dem kleinen Opel "Laubfrosch" (ca. 1925; ein Plagiat eines französischen Typs... Aber wohl der erste erfolgreiche deutsche Kleinwagen):


Auch ein Vetter von ihm besaß bereits ein Auto:

1928   erwarb er einen Opel "Niederflur", gehobene Mittelklasse:

hier mit meiner Oma, Frieda Zipp, eine begeisterte Fotografin (wie man an diesen Bildern aus Weilmünster sieht). Sie gehörte zu den allerersten Frauen, die einen Führerschein machten (mit 37 J.), 1929! Hier ist er, und sie selbst am Steuer:


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Am gleichen Tag bestand ihn auch ihr Mann (in der Zeit zuvor durften sie als Fahrschüler schon mit ihrem Wagen fahren).
1930 entstand dieses interessante Foto des Inneren ihres Wagens, hier mit meiner Mutter Inge (12) am Steuer:


1935  kaufte sich mein Vater sein erstes eigenes Auto, den ganz neu entwickelten (freitragende Karosserie) Opel Olympia:

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Hier - Foto links - auf der Straße vor dem Haus seines Vaters in Heidelberg, dessen Wagen dahinter steht. -  Derselbe noch mal hier:

1937


- ein seit 1934 hergestellter Mercedes "Nürburg". Am Steuer der Chauffeur, im Fond die Großeltern; bei der Abreise von der Hochzeit meiner Eltern in Weilmünster.

1941   Es ist Krieg; mein Opa, Dr. Zipp, durfte als Landarzt natürlich weiter Auto fahren, nun aber mit einem bescheidenen Gebrauchtwagen:

    und1946:  

Es handelt sich um den seit ca. 1930 gebauten Opel P4. Mein Opa hatte einen weiteren als Reserve in seiner Garage stehen. 

Die folgenden 4 Fotos habe ich im Busch-Automuseum in Wolfegg gemacht; zunächst wieder der P4:

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Von 1950 bis zum Ende 1962 hatte mein Opa einen Opel Olympia Bj. 1949, das erste Nachkriegsmodell (so viel ich weiß):

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Ab 1947 - mit 4 Jahren - war mein Lieblingsspielauto ein Jeep der US-Army.
Hier ein Original, in meiner näheren Umgebung noch im Einsatz.

1947-1950   konnte mein Vater seinen Olympia (der in Weilmünster während des Krieges, gut versteckt, nicht zum Militär eingezogen wurde) wieder fahren, mußte ihn dann aber aus Sparsamkeitsgründen verkaufen. - Immerhin durfte er einen Firmenwagen, ein Opel-Nachfolgemodell, oft auch privat nutzen:


1957 wurde ich beim Trampen von einem Engländer in so einem Jaguar mitgenommen:

1959     - endlich -  konnten sich meine Eltern, in Heidelberg, wieder ein eigenes Auto leisten, wieder ein Opel Olympia, gelb, mit weißem Dach, jetzt mit dem Zusatz "Rekord" (hier Szene aus einem Heinz Ehrhard-Film):



1961  machten meine Mutter (Inge, 43) und ich (Hartmut, 18) den Führerschein; unser Fahrschulwagen war ein Opel Rekord von ca. 1955:



1962 fuhr ich mit dem 1.Wagen meines Freundes Ekkes in München mit herum,
 ein kleiner DKW von ca. 1935, etwa wie so einer:


1964    kam der nächste - und letzte - Opel meiner Eltern, ein hellgrauer viertüriger Rekord (w), wie dieser:

Ab hier - rechtsbündig - meine 20 Autos, Baujahre 1954 - 1982, alle gebraucht gekauft.

 Oder: Wie man mit den guten alten Autos glücklich durchs Leben kommt.                  

1965  kaufte ich für 300 DM mein erstes Auto, wie dieses, ein BMW V8 Bj. 1954:

Nach 3 Wochen tauschte ich es um gegen einen Mercedes 220, Bj. 1955, hier einer aus einem Spielfilm:

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1969    wechselten meine Eltern zu Volkswagen, mit einem grünen Käfer 1300:


Hier das einzige erhaltene Foto, mit meiner Mutter. 

 Im gleichen Jahr 1969 kam mein Auto Nr.3, ein roter Käfer Bj. 1955 (w), für 200 DM von einem Freund.

Anfang 1973 gab mir meine Oma das Geld für Nr. 4, einen grauen Ford 12m (w),

im Winter fuhr ich ihn gegen das Dilsberger Stadttor, Totalschaden.

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Vorher fuhr ich oft im Opel Manta meiner Freundin mit

(hier ein Manta Bj. 1970 meines Nachbarn).

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1975 kam Nr. 5, ein roter Citroen 2 CV, allgemein "Ente" genannt
(Bj. 1969 / Leergewicht 555 kg / Hubr. 421 ccm / 16 PS / ca.7 l/100km), hier das einzige Foto:


Mit ihr (rechts oben, vor dem Haus meiner Oma) und dem Hund fuhr ich u. a. nach Frankreich und Spanien.

Leider ereilte sie auf schneeglatter Straße folgendes Schicksal:

Immerhin war der Motor noch gut und wurde in Nr. 6, eine andere rote Ente eingebaut,

hier ein Wagen eines Mitglieds vom Lindauer 2 CV Club:

 wie Nr. 6

1977 dann Nr. 7, ein roter Käfer 1300 (w)

und Nr. 8, ein grauer Renault R 16 (w)

1978 wieder Citroen: Nr.9: mein Traumwagen, die DS, die "Göttin", Bj. 1972

(Leergewicht 1265 kg / Hubr. 1972 ccm / 98 PS / ca. 10 l/100 km):

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für 5000 DM. -  Nach 3 Jahren leider schon abgenutzt, 

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deshalb 1981, für noch mal soviel Geld, Nr. 10, eine DS 23:


1979   suchten meine Eltern, in Heidelberg, ihr fünftes und, wie sich herausstellen sollte, letztes (und mein 20.) Auto. Vielleicht sahen sie in "Auto Motor und Sport" das Bild links (Foto vom Originalheft von mir); jedenfalls stand ein neuer Wagen dann am 18. Juli zum ersten Mal in ihrer Garage (rechts):

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Ein VW Passat Diesel. Der erste mit Dieselmotor, und der letzte zweitürige Passat (Leergew. 890 kg / Hubr. 1460 ccm / 50 PS / 5 l/100 km). 

Nr. 11  Ende 1982 stieg ich ab zu einem älteren Ford Taunus Kombi:

Auch er fiel  den Schneeverhältnissen zum Opfer, Totalschaden, immerhin mein letzter Unfall.

Nr. 12 - 1983 - kaufte ich billg einen prima  Opel Rekord 1700, mit ihm nach

Italien, Griechenland, Spanien gefahren:

1983, inzwischen in Hergensweiler, ein Foto des Passats mit meinem Vater und einer Cousine seiner Frau:


Nr. 13 - 1984 - gelbe Ente (w), Motor krepiert und ersetzt

Nr.14 - 1984/85 - viertüriger Opel Rekord Automatik (w)

Nr. 15 - 1986 - roter Käfer von Freunden geschenkt bekommen (wie Nr. 7)

Nr. 16 - 1986 - roter Citroen GS Break (w)

Nr. 17 - 1987 - VW Campingbus (w) mit Hochdach, nach Spanien gefahren

Nr. 18 - 1987 - wieder ein Opel Rekord, Foto von Auto 12:



1990 mußte wieder etwas Solides her, eine Ente! Für 2500 Mark kaufte ich:
Nr. 19, ein Citroen 2CV Charleston, Bj. 1982 (26 PS!), von mir "Charlotte" genannt:

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Ich behielt sie 17 Jahre lang, bis 2007, fuhr mit ihr 219 000 km...

 Eine große, rostbedingte Reparatur konnte ich 1993 selbst erledigen,
hinter der Garage meiner Eltern, die sich das staunend ansahen:

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2002: Der 2CV - Club Lindau kommt zum 20. Geburtstag -
interessante Bilder eines autofreundlichen Grundstücks hier (ente.htm) .



Der Passat meiner Eltern erwies sich als sehr anhänglich:


1992 war er immer noch da, ab jetzt fuhr ihn aber nur noch meine Mutter.

2004 waren besonders umfangreiche Schweißarbeiten fällig.

Nr. 20 - Seit 2004 ist der Passat auf mich zugelassen. Meine "Charlotte" behielt ich noch bis 2007, 

hier das letzte Bild der beiden zusammen auf meinem Stellplatz.

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Rechtes Bild der Passat im Mai 2017 in der Altstadt von Wangen/Allgäu,



und im Februar 2022 auf seinem neuen Stellplatz in Lindenberg.

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Das ist...

"Olympia" -
Berlin 2007
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